5.10.2006, Spiegel Online
Die teuersten Diamanten der Welt
Von Lukas Bay
Für Diamanten galt bisher eine einfache Formel: Je reiner und klarer sie schimmern, desto teurer sind sie. Nicht so die besonderen Exemplare aus der australischen Argyle-Mine: Sie sind zartrosa - und um ein Vielfaches wertvoller.
London - Was den Preis betrifft, spielen sie in der gleichen Klasse wie ein Rolls-Royce. Die rosa Diamanten aus der Argyle-Mine im Westen von Australien gehören zu den seltensten Edelsteinen. Sie sind die teuersten Diamanten der Welt.
Jedes Jahr werden rund 60 dieser ausgesuchten Steine in schwarzen Kästchen auf eine Weltreise geschickt. Perth, Hongkong, London, New York und Genf - das sind die Stationen für eine Versteigerung, in der die besten, schönsten Steine zum Kauf angeboten werden. Kürzlich ging die diesjährige Auktion in London zu Ende. Verkaufspreise und Namen der Käufer blieben geheim. Hinter vorgehaltener Hand jedoch wird der Wert der Auswahl von Experten auf 19 Millionen Euro geschätzt.
Der Preisunterschied zu den herkömmlichen Diamanten ist gewaltig. Ein Einkaräter wird zurzeit für 315.000 Euro gehandelt. Ein gleichschwerer weißer Stein kostet dagegen rund 15.000 Euro.
Der Grund: Längst haben die Reichen und die Schönen die Kleinode für sich entdeckt. Mit ihrer Exklusivität schmücken sich Prominente wie Victoria Beckham und Jennifer Lopez. Und "der Appetit der Welt nach den rosa Diamanten wächst mit dem Preis", sagt Jean-Marc Lieberherr von Rio Tinto Diamonds, dem Betreiber der Argyle-Mine.
Ihren Wert dürften die Steine so schnell nicht wieder verlieren. Denn die besondere Färbung der Diamanten wird durch seltene Unregelmäßigkeiten in den Kohlenstoff-Molekülen verursacht. Eine Besonderheit, die nur in sehr wenigen Minen vorkommt, und dort auch nur begrenzt. Nur ein Prozent der gesamten Diamantenförderung der Argyle-Mine schimmert rosa.
Doch auch dann bleibt die Auslese hart. Die Anforderungen entsprechen jenen der herkömmlichen weißen Diamanten. Lupenrein sollen sie sein und in ihrer Struktur so beschaffen, dass sich daraus später ein möglichst großer Brillant schleifen lässt. Den hohen Qualitätsanforderungen genügen nur wenige der rosafarbenen Steine. Von einer Million Karat geförderter Rohdiamanten bleibt in der Regel nur ein Karat übrig.
Außerdem ist schon jetzt ist das Ende der Vorräte absehbar. In der Argyle-Mine können sie voraussichtlich nur noch bis 2018 gefördert werden. Für die Eigentümer der Edelsteine ist diese Aussicht besonders verlockend. Denn wenn die Vorräte aufgebraucht sind, werden die heutigen Preise geradezu wie Schnäppchen wirken.
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