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Diamanten-Prozess


Neuer Diamanten-Prozess vor Gericht in Baden-Baden

Quelle: Baden Online

Preisaufschläge bis zu 1000 Prozent? / Zwei Angeklagte aus der Ortenau

Sechs Monate lang beschäftigte »Diamanten-Kuki« im Jahr 2005 das Landgericht Baden-Baden. Ab heute stehen zwei seiner früheren Mitarbeiter und zwei weitere Angeklagte, darunter eine Frau, vor derselben Strafkammer. Zwei Angeklagte stammen aus dem Raum Offenburg.
autor: claus donath

26.09.2006 - Offenburg/Baden-Baden. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, in 169 Fällen farbige Diamanten unter betrügerischen Wertsteigerungsversprechen zu weit überhöhten Preisen an Privatkunden verkauft zu haben. In Sinzheim bei Baden-Baden sollen die Angeklagten ein gut organisiertes Call-Center betrieben haben. Von dort aus sollen sie zwischen Oktober 2001 und Dezember 2002 Privatpersonen angerufen haben, von denen sie wussten oder annahmen, dass sie über größere Geldmengen verfügten. Sie boten diesen Personen, darunter selbstständige Handwerksmeister, Freiberufler oder leitende Angestellte, Diamanten als angeblich renditeträchtige Anlageobjekte an. Dabei sollen sie Preisaufschläge von bis zu 1000 Prozent gemacht haben. Die Differenz zwischen dem tatsächlichen Wert der Steine und den kassierten Preisen beziffert die Staatsanwaltschaft auf mindestens 1,3 Millionen Euro.
Zwei der jetzt Angeklagten gehörten zeitweilig zum Verkäufer-Stamm des 60-jährigen aus Offenburg stammenden »Diamanten-Kuki«, der zunächst in Offenburg und dann in Straßburg zwei Firmen für den Telefonverkauf von Diamanten betrieb. Das Landgericht Baden-Baden verurteilte den zuletzt in Baden-Baden wohnenden Kaufmann im Juli vorigen Jahres (wie berichtet) zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe. Unter Einrechnung der 15-monatigen Untersuchungshaft hat er Anfang Oktober zwei Drittel der Strafe verbüßt und dürfte dann unter Bewährungsauflagen auf freien Fuß gesetzt werden.
Auch die jetzt Angeklagten müssen im Falle ihrer Verurteilung mit längeren Freiheitsstrafen rechnen. Gegen zwei von ihnen ist im Juni bereits eine neue Anklage erhoben worden. Sie sollen in den Jahren 2000 bis 2002 von Rastatt aus betrügerische Diamantengeschäfte betrieben haben. Auch die mitangeklagte 67-jährige Frau ist den Ermittlungsbehörden gut bekannt. Sie soll von Haueneberstein aus an ähnlichen Geschäften beteiligt gewesen sein. Erst kürzlich stand sie in Baden-Baden vor Gericht, weil sie sich Sozialleistungen erschlichen haben sollte.
Der jetzt zweite Diamanten-Prozess in Baden-Baden dürfte also nicht der letzte gewesen sein. Die Kurstadt-Region ist nach den Feststellungen der Kripo eine Hochburg des Anlagebetrugs. Sie hat schon vor Jahren eine »Arbeitsgruppe Diamant« gebildet. Nach ihren Erkenntnissen liefen die dubiösen Diamantengeschäfte über fünf Firmen. Verkaufsgeschäfte mit einem Volumen von acht Millionen Euro wurden ihnen nachgewiesen. Ermittelt wird gegen 20 Personen. Die Firmen hätten ein Netzwerk aufgebaut, tauschten Personal und Kundendaten potenzieller Opfer aus. »Da hat sich eine regelrechte Subkultur gebildet«, sagte Klaus Diebold, der Leiter der zuständigen Kriminalinspektion, im Frühjahr.