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Spur der Steine


ZDF Politik&Weltgeschehen - Auslandsjournal

Spur der Steine - Inder dominieren das Diamantengeschäft

Das Vermögen von Ashwin Jahwery passt in ein paar verschrammte Herrentäschchen. Doch ein armer Mann ist Herr Jahwery deshalb nicht. Wenn er in seinem engen Büro in Antwerpens Diamantenviertel die Täschchen öffnet und die kleinen Zettel darin auffaltet, dann liegen auf einmal viele Millionen Euro auf dem Tisch. Diamanten - nicht nur "a girl's best friend".

von Thomas Reichart, 11.07.2006

Hier finden sich Rohdiamanten und geschliffene Diamanten, gelbe und grüne, gerne auch besonders große, denn das Geschäft mit den kleineren lohne nicht, sagt Herr Jahwery. Besonders liebt er rosafarbene Diamanten, denn die sind besonders teuer und selten.

"Mein Sohn sagt immer", erzählt der Händler, der schon mehrere Bypassoperationen hinter sich hat, "wenn ich einen Herzinfarkt habe, darf man mir keine Elektroschocks geben. Man muss mir sagen, man habe einen rosafarbenen Diamanten für mich, dann stehe ich von selber wieder auf. Mein Sohn hat Recht. Für solche Diamanten mache ich fast alles."

Inder beherrschen das Geschäft
80 Prozent aller Rohdiamanten werden in Antwerpen gehandelt, früher vor allem von jüdischen Händlern. Doch jetzt beherrschen Inder wie Ashwin Jahwery das Geschäft. "In den letzten Jahren hat sich der Handel sehr verändert", erzählt Arie Lieber, Geschäftsführer des über 70 Jahre alten jüdischen Familienbetriebs Krochman & Lieber. "Die Konkurrenz ist viel härter geworden." Jahwery aber meint, die Kollegen klagten zu viel: "Sie vergessen: Wenn der Wind bläst, muss man Windmühlen bauen und nicht nach Schutz suchen."

Die Machtübernahme der Inder in Antwerpen hat inzwischen sogar den Hohen Diamantenrat, die Standesorganisation der Händler erreicht. Dort stellen Inder seit kurzem fünf der zwölf Direktoren. Für Antwerpens Diamantenhandel ist das wie ein kleiner Mauerfall. Und so bläst auch durch die Houvenierstraat, wo die Diamantenbörsen und die Büros der Händler liegen, der scharfe Wind der Globalisierung.

Konkurrenz aus Dubai und Israel
Weltweit kontrollieren Inder 55 Prozent des Diamantenhandels, und sie handeln nicht nur in Antwerpen, sondern auch in New York, Tel Aviv oder Dubai, wo man für seine Geschäfte praktischerweise keine Steuern zu zahlen braucht. Auch die Kontrollen zum Schutz vor so genannten Blutdiamanten, die in Afrika Bürgerkriege finanzieren helfen, werden in Dubai nicht ganz so streng ausgelegt.

Ähnliches fordern die indischen Händler nun auch in Antwerpen. "Diamanten bringen doch niemanden um", sagt Ashwin Jahwery. "Pistolen und Maschinengewehre töten, ja, das muss man verhindern, aber doch nicht Diamanten." Die belgische Regierung will nun wenigstens mit einer Steueramnestie die Händler davon abhalten, Antwerpen vielleicht ganz zu verlassen.

Die dürfen bald ihre nicht versteuerten "Schwarzdiamanten" im Nachhinein legalisieren. Fünf Prozent Strafsteuer kostet das, der normale Steuersatz liegt bei bis zu 40 Prozent. Herr Jahwery bleibt trotzdem misstrauisch: "Heute sagen sie dies und morgen das. Wer weiß, was sie machen, wenn sie erst einmal wissen, was wir alles haben."

Tempel für die Händler
Fürs erste zumindest haben sich er und die anderen indischen Händler in Antwerpen niedergelassen. In einem noblen Stadtteil, gleich neben den Villen der Diamantenhändler, bauen sie gerade einen großen Tempel - mit Steinmetzen aus Indien und mit dem gleichen Marmor wie beim Taj Mahal.

Der ZDF Korrespondent Thomas Reichart berichtet aus der belgischen Diamantenmetropole.