instock, 2.5.2006
Diamanten-Minen statt Diamanten
Von Marc Nitzsche
An kreativen Geldanlage-Ideen mangelt es unserer Leserschaft auf jeden Fall nicht: In den vergangenen Wochen erreichten mich vermehrt Mails von Abonnenten, die sich nach Investment-Möglichkeiten in Bezug auf Diamanten erkundigten. Dummerweise gibt es für die edelsten aller Edelsteine keine einheitliche, fortlaufende Preisnotierung und damit auch keine Derivate. Grund: Während etwa eine Feinunze Gold ein weltweit standardisiertes Produkt ist, gleicht kein Diamant dem anderen. Insofern können Anleger lediglich auf zwei Arten von tendenziellen Preissteigerungen bei diesem Rohstoff profitieren: Denkbar ist einerseits der Direktkauf von physischen Diamanten. Hierfür eignen sich allerdings nur Steine von höchster Qualität mit klassischem Brillantschliff und einem Gewicht von mindestens einem Karat. Nach der so genannten „4-C-Methode“ sind neben „cut“ und „carat“ auch die Farbe („colour“) und die Reinheit (clarity) für den Wert von Diamanten von entscheidender Bedeutung. Bereits kleinste, mit dem bloßen Auge kaum zu erfassende Abweichungen sorgen bei Einkarätern für Preisunterschiede von einigen tausend Euro. Wer also den Kauf von Diamanten zu Investmentzwecken in Betracht zieht, muss unbedingt auf die Zertifizierung eines internationalen Instituts wie dem „Hoge Raad voor Diamant“ (HRD) oder dem „Gemological Institut of America“ (GIA) achten. Nur dann können Sie sicher sein, dass der Stein auch die vom Verkäufer genannten Eigenschaften besitzt. Ohne ein entsprechendes Zertifikat sinken die Wiederverkaufschancen gegen Null. Aber selbst wenn ein Hochkaräter bei einem seriösen Anbieter zu einem fairen Preis erworben wurde, kann es Jahre dauern, ehe sich die Anlage rechnet. Denn Investoren zahlen Einzelhandelspreise, müssen sich aber beim Verkauf mit den wesentlich tieferen Großhandelskonditionen begnügen.
„Diamanten-Fans“, die die zahlreichen Fallstricke des Direktkaufs scheuen, sollten daher insgesamt wohl eher über Aktien von Unternehmen nachdenken, die zu den Gewinnern des sich abzeichnenden Booms gehören dürften. Mit relativ wenig Risiko behaftet sind die Papiere der großen Bergbaukonzerne wie Rio Tinto oder BHP Billiton. Einen besonders hohen Diamantenanteil am Umsatz (über zehn Prozent) hat übrigens Anglo American. Mutigere Naturen können natürlich auch reinrassige Diamanten-Produzenten wie Aber Diamond, Tahera Diamond oder Kimberley Diamond in Betracht ziehen. Und wer „alles oder nichts“ spielen will für den gibt es die Explorer SouthernEra Diamond und Diamondex Resources.
Marc Nitzsche ist Herausgeber des Rohstoff-Trader.
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