Trader's Daily, 17.1.2006
Pinke Diamanten von Rio Tinto
Interessant, interessant, was ich hier in Westaustralien so alles lerne. Gerade steht auf meiner Agenda: Rio Tinto. Wenn Sie sich ein wenig mit Rohstoffen beschäftigen, haben Sie den Namen dieses britisch-australischen Rohstoff-Riesen (Exploration, Förderung von Ressourcen ...) sicherlich schon einmal gehört.
In Westaustralien hat Rio Tinto eine riesige Diamantenmine (genannt "Argyle"), die mich besonders interessiert hat. Warum? Dort werden die seltenen pinken (oder rosa) Diamanten gefördert ... und zwar liefert diese eine Mine sage und schreibe 95% der Weltproduktion pinker Diamanten.
Pinke Diamanten, was hat es mit denen auf sich? Die sind eine Klasse fuer sich. Zum Vergleich: Wenn Sie einen weissen Diamanten nehmen - ein Karat, gute Qualitaet - dann müssen Sie dafür un die 20.000 Dollar (US-Dollar) auf den Tisch legen. Für einen pinken Diamanten, ebenfalls ein Karat, ebenfalls gute Qualität, sprechen wir hingegen gleich von 400.000 Dollar. Das gibt Ihnen einen Eindruck von der Seltenheit und Begehrtheit dieser pinken Diamanten.
(Ein kleiner Exkurs: Gerade soll der Sultan von Brunei einen bestellt haben, größer als 1 Karat, Kaufpreis mindestens 1 Million US-Dollar. Wenn Sie richtig reich und noch bearisher als Martin Weiss oder Bill Bonner sind, dann sollten Sie weniger Gold kaufen ... als vielmehr Diamanten. Ueberlegen Sie einmal: Eine Million in Gold ist physisch eine ganze Menge. Eine Million in pinken Diamanten angelegt ... entspricht 1 oder 2 Diamanten, leicht transportabel, leicht zu
verstecken.)
Irgendwie hat es Rio Tinto echt raus ... denn völlig klar, dass in die Argyle-Mine investiert werden muss. Solange Rio Tinto bei der Förderung pinker Diamanten praktisch ein Monopol besitzt, sollte Rio Tinto das auch ausnutzen (aus Sicht des Unternehmens die richtige Entscheidung) - was bedeutet, dass die Produktion in dieser Mine möglich ausgebaut werden sollte.
Und Rio Tinto hat es echt geschafft, aus den Investitionen in die Argyle-Mine - die aus Eigennutz erfolgen - auch noch einen anderen Nutzen zu ziehen: Rio Tinto hat der westaustralischen Regierung vorgeschlagen, den Anteil Westaustraliens an den Gewinnen der Argyle-Mine (die sogenannten "royalties") von 7,5% auf 5,0% zu senken. Im Gegenzug moechte Rio Tinto 900 Millionen US-Dollar in die Erweiterung der Kapazitaeten stecken. Naja, was heisst schon im Gegenzug, denn die Investition in die Argyle-Mine ist einfach betriebswirtschaftlich sinnvoll.
Aber das Management von Rio Tinto hat sich wohl gedacht: "Versuchen können wir es ja mal", und hat deshalb letzten Monat bei der westaustralischen Regierung mächtig Druck gemacht. Diese hat nun zugestimmt: Ok, 5,0% statt 7,5% sind auch ok.
Was mir sofort aufgefallen ist: Trotz dieser 900 Mio. Dollar schweren Investition wird die Foerderung der Argyle-Mine ab diesem Jahr nicht etwa steigen - sondern zurückgehen. Ohne Investitionen würde die Förderung schon dieses Jahr gegen Null tendieren. Grund: Die einfach abbaubaren pinken Diamanten sind abgebaut, nun muss Rio Tinto richtig tief in die Erde gehen und unterirdisch fördern (vorher war eine offene Mine möglich). Trotz der 900 Mio. Investition wird die Produktion pinker Diamanten im laufenden Jahr deshalb um rund ein Drittel (Quelle: Australian Financial Review) zurückgehen.
Halten wir fest: 95% der Weltproduktion pinker Diamanten stammen aus der Argyle-Mine in Westaustralien. Die Produktion dieser Mine geht trotz hoher Investitionen drastisch zurück - in diesem Jahr um ein Drittel. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage stabil bzw. steigt leicht. Fuer mich völlig klar, dass die Anlage in pinken Diamanten in den nächsten Jahren eine sichere Sache sein wird.
Tja, für Normalsterbliche wie uns ist eine "Diversifikation" in pinke Diamanten mit einem Einzelpreis von mindestens 400.000 Dollar allerdings leider keine Alternative ...
© Michael Vaupel
Quelle: Auszug aus dem kostenlosen Newsletter "Trader´s Daily"
Kommentar von Diamanthaus:
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